Funkspruch Familien-Crew

Der Chat kommt mit in die Klasse. Die Hilfe auch.

Wenn Ihr Kind online gemobbt wird, gehört die Schule mit ins Boot.

Funkspruch-Kachel: Der Chat kommt mit in die Klasse. Die Hilfe auch.

Anlass: Reagiert auf eine große Befragung zu Cybermobbing unter Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften in Deutschland, vorgestellt am 13. Oktober 2026.

Wird ein Kind online gemobbt, liegt der Gedanke nahe: Das passiert auf dem Handy, also regeln wir es zu Hause. Meist greift das zu kurz. Die meisten Betroffenen kennen die Angreifer persönlich, oft aus der eigenen Klasse oder Schule. Das zeigt auch eine große Befragung von Schülerinnen und Schülern in Deutschland, die im Oktober 2026 vorgestellt wurde. Wer abends im Gruppenchat austeilt, sitzt am nächsten Morgen im selben Raum. Ein ausgeschaltetes Handy beendet das nicht.

Darum gehört die Schule mit ins Boot. Für das, was im Unterricht und in den Pausen geschieht, ist sie ohnehin verantwortlich. Und auch was nachmittags im Chat passiert, darf sie angehen, wenn es in den Schulalltag hineinwirkt. Bei Mobbing in der eigenen Klasse ist das oft der Fall. Die Schule kann mit der Klasse arbeiten, Gespräche mit den Beteiligten führen, in den Pausen genauer hinsehen und je nach Lage auch Maßnahmen ergreifen. Wie weit sie gehen darf, regelt jedes Bundesland in seinem Schulgesetz.

Ansprechen können Sie die Klassenleitung, eine Vertrauenslehrkraft oder die Schulsozialarbeit. Ändert sich nichts, ist die Schulleitung die nächste Stelle, danach das Schulamt. Schulpsychologische Beratung können Sie über die Schule dazuholen oder sich auch direkt dort melden. Mobbing ist fast nie ein Streit unter zwei Kindern. Es gibt Mitläufer und Zuschauer, und jedes Weiterleiten vergrößert das Publikum. Auch deshalb braucht es jemanden, der die ganze Klasse im Blick hat.

So gehen Sie es ruhig an:

  1. Nehmen Sie Ihr Kind ernst. Danken Sie ihm dafür, dass es erzählt, und sagen Sie klar: Du bist nicht schuld. Machen Sie ihm keine Vorwürfe wegen der App, und verhängen Sie kein Handyverbot. Sonst erzählt es beim nächsten Mal nichts mehr.
  2. Handeln Sie nicht über den Kopf Ihres Kindes hinweg. Fragen Sie, wovor es Angst hat, wenn die Schule davon erfährt, und mit wem es dort am liebsten reden würde. Sagen Sie ihm, was Sie vorhaben, bevor Sie es tun.
  3. Sichern Sie Beweise, bevor etwas verschwindet. Bei Nachrichten, Kommentaren und Beiträgen sind Bildschirmfotos richtig: mit Name oder Profil, Datum, Uhrzeit und etwas Zusammenhang. Schreiben Sie kurz auf, was wann passiert ist, und legen Sie alles an einem geschützten Ort ab. Eine Ausnahme gibt es: Geht es um Nacktbilder, auch um gefälschte, machen Sie kein Bildschirmfoto, speichern Sie nichts, leiten Sie nichts weiter und löschen Sie nichts. Notieren Sie nur, wo das Bild aufgetaucht ist, und gehen Sie damit zur Polizei. Mehr dazu im Funkspruch zu gefälschten Bildern.
  4. Bitten Sie um ein Gespräch in der Schule. Schildern Sie sachlich, was passiert ist, und bringen Sie ausgewählte Belege mit. Klären Sie zusammen drei Fragen: Wer kümmert sich? An wen wendet sich Ihr Kind schon am nächsten Schultag, wenn wieder etwas ist? Wann sprechen Sie wieder miteinander? Halten Sie die Absprachen kurz schriftlich fest.
  5. Tragen Sie es nicht in den Elternchat, und gehen Sie nicht als Erstes auf die Eltern der anderen Kinder zu. Das verhärtet die Fronten oft, bevor geklärt ist, was passiert ist. Und Ihr Kind soll nicht zurückschlagen, auch nicht mit Worten, damit es nicht selbst in die Täterrolle gerät.
  6. Melden und blockieren Sie die Angreifer in der App, sobald die Beweise gesichert sind. Wie das geht und was in den ersten Tagen hilft, steht auf unserer Seite Cybermobbing: was Eltern tun können.

Die Polizei gehört dazu, wenn Ihr Kind bedroht oder erpresst wird oder wenn Nacktbilder im Spiel sind. Dafür müssen Sie nicht abwarten, was die Schule unternimmt. Anzeige erstatten können Sie bei jeder Polizeidienststelle. Ist Ihr Kind in akuter Gefahr, wählen Sie sofort 110. Wirkt Ihr Kind verzweifelt oder sagt es, dass es nicht mehr leben will, holen Sie sofort Hilfe, notfalls über 112.

Für heute: Fragen Sie beim Abendessen ganz nebenbei, wie es gerade in der Klasse und im Klassenchat läuft. Und schauen Sie nach, wer an der Schule Ihres Kindes die Klassenleitung ist und ob es eine Schulsozialarbeit gibt. Dann wissen Sie im Ernstfall, wen Sie anrufen. Der Chat kommt mit in die Klasse. Die Hilfe auch.

Rat für Sie als Eltern gibt es beim Elterntelefon unter 0800 111 0 550, montags, mittwochs und freitags von 9 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags bis 19 Uhr, kostenlos.

Und falls du das als Kind liest: Wenn dich jemand im Chat oder in der Schule fertigmacht, bist du nicht schuld. Davon zu erzählen ist kein Petzen. Und siehst du, dass jemand anderes fertiggemacht wird, sag es auch. Sag es deinen Eltern oder einer Lehrkraft, der du vertraust. Und wenn du lieber erst mit jemandem außerhalb der Familie sprechen möchtest: Die Nummer gegen Kummer erreichst du unter 116 111, montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr, kostenlos und anonym.