Funkspruch Familien-Crew

Echte Hilfe fragt nicht zuerst nach Geld.

Wer mit Bildern erpresst wird, sucht Hilfe. Manche Helfer wollen nur Geld.

Funkspruch-Kachel: Echte Hilfe fragt nicht zuerst nach Geld.

Anlass: Reagiert auf Berichte von Mitte Oktober 2026 über einen Anbieter in den USA, der Erpressten gegen viel Geld Hilfe versprochen und Ergebnisse erfunden haben soll.

Wer mit Bildern erpresst wird, hat Angst und schämt sich. Viele suchen dann zuerst allein im Netz nach einem Ausweg, oft spät abends und in großer Eile. Genau dort stoßen sie auf Anbieter, die schnelle Rettung versprechen: Diese Anbieter wollen die Täter aufspüren, die Bilder überall löschen oder dafür sorgen, dass nie etwas veröffentlicht wird. Dafür verlangen sie Geld, oft viel Geld und oft sofort.

In den USA wurde im Oktober 2026 bekannt, dass ein solcher Anbieter Betroffenen über Jahre hohe Summen abgenommen haben soll. Statt echter Ermittlungen soll es erfundene Ergebnisse gegeben haben, danach sollen Betroffene zu weiteren bezahlten Paketen gedrängt worden sein. Entschieden ist der Fall noch nicht. Das Muster ist aber von anderen Betrugsmaschen bekannt: Wer schon einmal Opfer geworden ist, wird gezielt ein zweites Mal angesprochen, weil die Hoffnung die Warnsignale überdeckt. Die Erpressung lebt von der Angst, die falsche Hilfe auch.

Was im Ernstfall zuerst zählt, steht in unserem Funkspruch zur Erpressung mit Bildern: nicht zahlen, nichts löschen, nicht allein regeln. Hier geht es um den nächsten Schritt: Hilfe finden, ohne ein zweites Mal hereinzufallen. Vorweg das Wichtigste: Niemand kann versprechen, dass ein Bild überall und für immer verschwindet. Und die wichtigsten Schritte kosten nichts.

Vorsicht ist geboten, wenn ein Angebot so klingt: Sie sollen sofort zahlen, noch bevor Sie einen Vertrag gesehen haben. Nur genau dieser Anbieter könne Ihnen helfen. Sie sollen besser nicht zur Polizei gehen, oder man will das angeblich für Sie erledigen. Man verspricht, jedes Bild dauerhaft zu löschen. Oder man bittet Sie, die Bilder zu schicken, angeblich zur Prüfung. Gute Bewertungen beweisen dabei nichts, sie lassen sich fälschen. Und ein Treffer ganz oben in der Suche kann bezahlte Werbung sein.

So finden Sie echte Hilfe:

  1. Bleiben Sie ruhig. Ihr Kind braucht jetzt Halt, keine Vorwürfe. Und kaufen Sie nichts unter Zeitdruck.
  2. Gehen Sie zur Polizei. Eine Anzeige kostet nichts, und Sie können sie bei jeder Dienststelle erstatten. Nehmen Sie das Gerät mit und besprechen Sie dort, wie der Chat gesichert wird. Geht es um Nacktbilder Ihres Kindes, auch um gefälschte, machen Sie kein Bildschirmfoto, speichern Sie nichts, leiten Sie nichts weiter und löschen Sie nichts. Notieren Sie nur, wo und wann etwas aufgetaucht ist.
  3. Melden Sie das Konto des Erpressers und jedes veröffentlichte Bild bei der Plattform, sobald die Polizei Bescheid weiß. Das ist kostenlos, und Plattformen müssen gemeldete rechtswidrige Inhalte prüfen und entfernen. Inhalte, die Kinder oder Jugendliche zeigen, nehmen auch Meldestellen kostenlos entgegen. Eine Meldestelle dafür finden Sie auf unserer Seite Hilfe.
  4. Für Bilder, die vor dem 18. Geburtstag entstanden sind, gibt es einen kostenlosen Dienst einer großen Kinderschutzorganisation aus den USA, auch auf Deutsch. Er heißt „Take It Down“. Aus dem Bild wird auf dem eigenen Gerät eine Art digitaler Fingerabdruck berechnet. Nur dieser Fingerabdruck wird übermittelt, das Bild selbst nicht. Teilnehmende Plattformen können damit Kopien erkennen und sperren. Das klappt nur bei Plattformen, die mitmachen, nicht in verschlüsselten Chats und nur bei genau gleichen Kopien. Der Schritt wird auf dem Gerät gemacht, auf dem das Bild schon liegt, meist zusammen mit Ihrem Kind. Laden Sie dafür kein Bild eigens herunter und lassen Sie sich keines schicken. Sprechen Sie diesen Schritt am besten vorher mit der Polizei ab. Verlangt jemand unter diesem Namen Geld, ist es nicht der echte Dienst.
  5. Wollen Sie später doch für Hilfe bezahlen, etwa für eine Anwältin oder einen Anwalt, lassen Sie sich vorher schriftlich geben, wer genau das Angebot macht, was es umfasst und was es insgesamt kostet. Holen Sie eine zweite Meinung ein. Seriöse Hilfe lässt Ihnen diese Zeit und verspricht nicht, dass jedes Bild verschwindet.
  6. Haben Sie oder hat Ihr Kind schon bezahlt, zahlen Sie nicht weiter, nur weil schon viel Geld weg ist. Haben Sie per Überweisung oder Karte gezahlt, rufen Sie sofort Ihre Bank an, je früher, desto eher lässt sich etwas zurückholen. Bewahren Sie Rechnungen, Überweisungen und Nachrichten auf und nehmen Sie alles mit zur Polizei. Dafür muss sich niemand schämen. Diese Maschen sind darauf gebaut, Menschen in Not zu treffen.

Ist Ihr Kind in akuter Gefahr, wählen Sie sofort 110. Wirkt Ihr Kind verzweifelt oder sagt es, dass es nicht mehr leben will, holen Sie sofort Hilfe, notfalls über 112.

Für heute: Sagen Sie Ihrem Kind den einen Satz, bevor etwas passiert: „Wenn dich jemand mit Bildern unter Druck setzt, kommst du zu mir. Du bekommst keinen Ärger. Wir bezahlen niemanden, weder den Erpresser noch einen angeblichen Helfer.“ Und speichern Sie zusammen die 116 111 im Handy Ihres Kindes. Echte Hilfe fragt nicht zuerst nach Geld.

Rat für Sie als Eltern gibt es beim Elterntelefon unter 0800 111 0 550, montags, mittwochs und freitags von 9 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags bis 19 Uhr, kostenlos.

Und falls du das als Kind liest: Wenn dich jemand mit einem Bild unter Druck setzt, bist du nicht schuld, egal wie das Bild entstanden ist. Zahl nichts, weder an diese Person noch an jemanden, der dir gegen Geld Hilfe verspricht. Echte Hilfe kostet dich nichts. Sag es deinen Eltern, du bekommst keinen Ärger. Es gibt einen Weg da raus, und du musst ihn nicht allein gehen. Und wenn du lieber erst mit jemandem außerhalb der Familie sprechen möchtest: Die Nummer gegen Kummer erreichst du unter 116 111, montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr, kostenlos und anonym.