Wenn es ernst wird

Cybermobbing: was Sie als Eltern tun können

Wenn Ihr Kind online gemobbt wird, ist das erschreckend, und der erste Impuls ist oft Hilflosigkeit. Bitte wissen Sie zweierlei: Sie sind nicht machtlos, und Ihr Kind ist nicht schuld. Sie müssen nichts sofort perfekt machen. Es reicht, ruhig zu bleiben, zuzuhören und die nächsten Schritte einen nach dem anderen zu gehen. Genau die zeigt diese Seite, in einer Reihenfolge, die entlastet.

Ruhig erkennen

Erste Anzeichen, ohne gleich das Schlimmste zu denken.

Kinder erzählen selten von sich aus, dass sie online geärgert werden. Oft zeigt sich etwas eher an Veränderungen als an klaren Worten. Ihr Kind zieht sich zurück, wirkt bedrückt oder gereizt nach dem Blick aufs Handy, mag plötzlich nicht mehr zur Schule, schläft schlechter oder legt das Gerät schnell weg, sobald Sie in die Nähe kommen. Jedes dieser Zeichen kann viele Gründe haben und bedeutet für sich genommen noch nichts. Wichtig ist Ihre Haltung: ruhig und neugierig bleiben statt alarmiert. Wenn Sie das Schlimmste sofort aussprechen, verschließt sich Ihr Kind eher. Schaffen Sie stattdessen ruhige Gelegenheiten, in denen sich reden lässt, ohne Druck und ohne Verhör.

Das Wichtigste zuerst

Zuhören ohne Vorwürfe schlägt jede schnelle Lösung.

Wenn Ihr Kind sich öffnet, entscheidet dieser Moment über alles Weitere. Das Wichtigste ist nicht die richtige Maßnahme, sondern dass Ihr Kind spürt: Ich werde ernst genommen und ich bin nicht schuld. Danken Sie ihm dafür, dass es zu Ihnen gekommen ist. Vermeiden Sie Sätze, die wie ein Vorwurf klingen, etwa warum es überhaupt in dieser Gruppe war oder warum es nicht früher etwas gesagt hat. Solche Fragen fühlen sich für Ihr Kind wie eine zweite Strafe an und lassen es verstummen. Sagen Sie stattdessen ruhig, dass Sie das gemeinsam lösen und dass die Schuld immer bei dem liegt, der andere verletzt, nie bei dem, der verletzt wurde. Erst wenn Ihr Kind sich sicher fühlt, sind die nächsten Schritte überhaupt möglich.

Bevor etwas verschwindet

Beweise sichern, statt sie zu löschen.

Der verständliche Wunsch, die verletzenden Nachrichten sofort wegzuwischen, ist oft der falsche erste Schritt. Beleidigende Nachrichten, Bilder und die Namen der Beteiligten sind wichtige Beweise, wenn Sie die Schule einschalten oder wenn es ernster wird. Machen Sie deshalb zuerst gemeinsam mit Ihrem Kind Screenshots und sichern Sie sie an einem ruhigen Ort, etwa in einem eigenen Ordner. Halten Sie fest, wann und wo etwas passiert ist. Erst danach folgen die Schritte, die den Strom stoppen. So bleibt Ihrem Kind die Möglichkeit erhalten, das Geschehene zu belegen, statt hinterher mit leeren Händen dazustehen.

Den Strom stoppen

Melden und blockieren, ruhig und gemeinsam.

Sind die Beweise gesichert, geht es darum, dass die Angriffe aufhören. Fast jede App und jede Plattform hat eine Funktion, um Personen zu blockieren und um Nachrichten oder Profile zu melden. Machen Sie das gemeinsam mit Ihrem Kind, damit es merkt, dass es dem Ganzen nicht ausgeliefert ist, sondern etwas tun kann. Blockieren beendet den direkten Draht, und das Melden gibt der Plattform die Chance, Inhalte zu entfernen. Wie das ruhig und Schritt für Schritt geht, übt Ihr Kind auch in der Lektion „Blockieren und Melden“. Wenn das Mobbing aus dem Klassenchat kommt, hilft der ruhige Blick darauf in der Lektion „Cybermobbing im Klassenchat“.

Sie sind nicht allein

Wann und wo Sie Hilfe holen.

Sie müssen das nicht allein tragen, und Sie müssen auch nicht entscheiden, ob es schon schlimm genug ist. Wenden Sie sich früh an Menschen, die weiterhelfen. Die Schule ist bei Cybermobbing eine wichtige Adresse, besonders wenn die Beteiligten aus der Klasse kommen, denn Lehrkräfte und Schulsozialarbeit können vor Ort eingreifen. Daneben gibt es Beratungsstellen, die auf solche Fälle eingestellt sind, und wenn Bedrohungen oder strafbare Inhalte im Spiel sind, ist die Polizei die richtige Anlaufstelle. Auch Ihr Kind soll wissen, dass es sich jederzeit an Sie und an andere Vertrauenspersonen wenden darf. Passende Anlaufstellen und geprüfte Notfall-Nummern haben wir für Sie auf der Hilfe-Seite gebündelt, damit Sie im Ernstfall nicht lange suchen müssen.

Für Ihr Kind

Lektionen, die Mut machen und stark machen.

Damit Ihr Kind das Thema nicht nur erlebt, sondern versteht, gibt es in der Lernwelt zwei ruhige Lektionen. In „Wenn andere online gemein sind“ lernt Ihr Kind, was Cybermobbing ist und warum niemand es allein aushalten muss. Und „Was tun, wenn du gemobbt wirst“ zeigt, dass Hilfe holen kein Petzen ist, sondern mutig. Beide Lektionen und viele weitere finden Sie in der Lernwelt.

Kurz gefragt

Was Eltern bei Cybermobbing fragen.

  • Was kann ich tun, wenn mein Kind online gemobbt wird?

    Zuerst ruhig bleiben und Ihrem Kind zeigen, dass es keine Schuld trägt. Hören Sie zu, ohne Vorwürfe, sichern Sie gemeinsam Beweise durch Screenshots, statt etwas zu löschen, und blockieren und melden Sie die Personen über die App oder Plattform. Und holen Sie sich Unterstützung, bei der Schule und bei Beratungsstellen. Anlaufstellen finden Sie gebündelt auf der Hilfe-Seite.

  • Woran erkenne ich, dass mein Kind betroffen ist?

    Oft an Veränderungen, nicht an einem einzelnen Zeichen. Ihr Kind zieht sich zurück, wirkt bedrückt nach dem Blick aufs Handy, mag plötzlich nicht mehr zur Schule oder legt das Gerät auffällig weg, wenn Sie in der Nähe sind. Bleiben Sie ruhig und neugierig statt alarmiert, und schaffen Sie Gelegenheiten für ein Gespräch ohne Druck.

  • Sollte mein Kind die Nachrichten löschen?

    Besser nicht sofort. Beleidigende Nachrichten, Bilder und Namen sind wichtige Beweise, wenn die Schule eingeschaltet wird oder es ernster wird. Machen Sie zuerst gemeinsam Screenshots und sichern Sie sie, danach können der Kontakt blockiert und die Inhalte gemeldet werden. Löschen nimmt Ihrem Kind sonst die Möglichkeit, das Geschehene zu belegen.

Der nächste Schritt

Ruhig bleiben, zuhören, Hilfe holen.

Ihr Kind ist nicht allein, und Sie auch nicht. Auf der Hilfe-Seite finden Sie geprüfte Anlaufstellen für den Ernstfall.