Zurück zu CyberAcademy Eine Raki-Lektion

Bilder, die du nicht sehen wolltest

  • CyberAcademy
  • Lesedauer rund 6 Minuten
  • Ab Klasse 5, auch gut für den Unterricht

Du bist in einer Chatgruppe, vielleicht mit Leuten, die du gar nicht alle kennst. Plötzlich tauchen Bilder auf, die nichts für Kinder sind: nackte Menschen, Sex, vielleicht auch Gewalt. Du hast nicht darum gebeten. Und trotzdem sind sie jetzt auf deinem Bildschirm.

Das Erste, was du wissen musst: Du hast nichts falsch gemacht. Schuld hat immer die Person, die solche Bilder verschickt. Es ist sogar verboten, Kindern und Jugendlichen solche Bilder zu schicken. Trotzdem passiert es, und zwar öfter, als Erwachsene glauben. Genau deshalb gibt es diese Lektion.

Das Zweite: So ein Bild zu sehen kann sich richtig schlimm anfühlen. Ekel, Scham, ein flaues Gefühl im Bauch. Das ist normal, und es geht vorbei. Am schnellsten geht es vorbei, wenn du mit jemandem darüber sprichst, statt es allein mit dir herumzutragen.

Wenn dir jemand so ein Bild schickt, bist du nicht schuld. Schuld hat, wer es schickt.
Raki
So passiert es oft

Ein nachgestellter Chat

Dieser Verlauf ist erfunden, die Namen auch. Aber genau so läuft es häufig ab. Achte darauf, wer hier den einzigen richtigen Schritt macht.

Nachgestellte Chatgruppe
  1. Unbekannt

    „Schaut mal, was ich habe 🔞“ (schickt Bilder)

  2. Leon

    „Krass, habt ihr das gesehen?? Ich schick's mal Ali, der glaubt das sonst nicht 😂“

  3. Ali

    „Bäh, warum schickst du mir sowas?!“

  4. Emre

    „Ich bin raus aus der Gruppe. Und ich zeig das jetzt meinen Eltern.“

Schau genau hin. Die Bilder kamen ungefragt, dafür kann niemand in der Gruppe etwas. Aber Leon macht den großen Fehler: Er schickt sie weiter, und sei es „nur als Beweis“ oder „weil es so krass ist“. Damit tut er genau das Verbotene, das der Unbekannte getan hat. Nur Emre macht alles richtig: nicht weiterschicken, raus aus der Gruppe, sofort den Eltern zeigen.

Die rote Linie

Weiterschicken ist nie okay, auch nicht „als Warnung“

Vielleicht denkst du: „Ich schicke es nur einem Freund, damit er sieht, wie schlimm das ist.“ Oder: „Ich leite es weiter, damit alle gewarnt sind.“ Klingt gut gemeint, ist aber genau falsch. Denn mit jedem Weiterschicken wandert das Bild auf ein Handy mehr, und du machst dabei dasselbe Verbotene wie die Person am Anfang. Das gilt auch für Kinder.

Und noch etwas ist bei solchen Bildern anders als bei gemeinen Nachrichten: Mach keinen Screenshot und speichere nichts. Bei fiesen Worten im Chat ist ein Screenshot als Beweis richtig. Bei solchen Bildern nicht, denn dann hättest du selbst eine Kopie eines verbotenen Bildes auf deinem Handy. Du musst gar nichts beweisen. Lass das Handy einfach so, wie es ist, und zeig es deinen Eltern oder deiner Lehrkraft. Um alles Weitere kümmern sich die Erwachsenen, wenn nötig zusammen mit der Polizei.

Gelöscht wird auch, aber erst zum Schluss und gemeinsam mit deinen Eltern, nachdem sie es gesehen und gemeldet haben. Erst zeigen, dann melden, dann löschen. In dieser Reihenfolge.

Der 3-Schritte-Plan

Nicht weiterschicken. Nicht speichern. Sofort zeigen.

Diese drei Schritte musst du dir merken. Sie schützen dich, egal wie das Bild zu dir gekommen ist.

  1. Nicht weiterschicken

    An niemanden. Auch nicht an deine beste Freundin oder deinen besten Freund, auch nicht „als Beweis“ oder „als Warnung“. Weiterschicken ist verboten und macht alles schlimmer.

  2. Nicht speichern, kein Screenshot

    Anders als bei gemeinen Worten gilt bei solchen Bildern: keine Kopie, kein Screenshot, nichts herunterladen. Lass dein Handy einfach so, wie es ist.

  3. Sofort zeigen

    Geh zu deinen Eltern oder deiner Lehrkraft und zeig es ihnen direkt auf deinem Handy. Erzählen statt schicken. Du hast nichts falsch gemacht, und Bescheid sagen ist mutig und genau richtig.

Und danach?

So geht es gemeinsam weiter

  • Gemeinsam melden. Deine Eltern melden den Absender in der App und bei der Polizei. Das ist wichtig, damit es aufhört, bei dir und bei anderen Kindern.

  • Blockieren und Gruppe verlassen. Den Absender blockieren, aus der Gruppe rausgehen. Du musst dort nicht bleiben, wo dir jemand wehtut.

  • Erst zum Schluss löschen. Wenn alles gemeldet ist, löscht ihr die Bilder zusammen. Vorher nicht, damit die Erwachsenen alles gesehen haben.

  • Wenn es dir nachgeht: Nummer gegen Kummer 116 111. Dort kannst du kostenlos und anonym mit jemandem sprechen, auch über Dinge, die dir peinlich sind.

Rakis Extra-Tipp

Damit es gar nicht erst auf deinem Handy landet

Zwei Einstellungen helfen dir, bevor überhaupt etwas passiert: Schalte in deiner Chat-App das automatische Speichern von Bildern aus, dann landen fremde Bilder nicht von allein in deiner Galerie. Und geh nicht in Gruppen mit Unbekannten, auch wenn dich jemand einlädt und „alle schon drin sind“. Frag deine Eltern, wenn du die Einstellungen nicht findest, das ist in zwei Minuten erledigt.

Rakis Merksatz
Nicht weiterschicken. Nicht speichern. Sofort zeigen.

Du bist nicht schuld. Und du musst das nie allein regeln.

Rakis Merksatz aus dieser Lektion
Kurz-Check

Drei Fragen, dann hast du es.

Zeig Raki, was hängen geblieben ist. Nichts wird gespeichert.

Frage 1 von 3 Richtig: 0

Lies in Ruhe und wähle deine Antwort.

Geschafft

Jetzt weißt du, was dich schützt, wenn so etwas passiert.

Du bist nicht schuld, wenn dir jemand solche Bilder schickt. Du schickst nichts weiter, speicherst nichts und zeigst es sofort deinen Eltern oder deiner Lehrkraft. Den Rest regeln die Erwachsenen, und du kannst wieder an schönere Dinge denken.