Funkspruch MindShield

Deine Nummer ist ein Hausschlüssel. Fremde bekommen keinen.

Wenn Kinder ihre Handynummer öffentlich teilen, um in große Gruppen zu kommen

Funkspruch-Kachel: Deine Nummer ist ein Hausschlüssel. Fremde bekommen keinen.

Anlass: Reagiert auf offene WhatsApp-Gruppen und Kanäle, in die Kinder ihre Telefonnummer eintragen, und auf Nummern unter Beiträgen in sozialen Netzwerken.

Es fängt harmlos an. Kinder wollen dazugehören und schreiben ihre Handynummer in offene Gruppen, in Kanäle oder unter Beiträge in sozialen Netzwerken. Wer mitliest, hat die Nummer. In jeder WhatsApp-Gruppe sehen zudem alle Mitglieder alle Nummern.

So landen Kinder in Gruppen mit Hunderten Fremden. Dort können eklige, gewalttätige oder sexuelle Inhalte auftauchen, und manchmal fragt jemand gezielt nach Alter und Schule. Ist eine Nummer einmal herumgegangen, holt man sie nicht mehr zurück.

Auch WhatsApp nennt offiziell 13, für viele Kinder ist es trotzdem Klassenalltag. Dort helfen Einstellungen und klare Regeln mehr als ein Verbot.

Was Sie heute gemeinsam mit Ihrem Kind einstellen können, und zwar in der WhatsApp-App selbst, nicht in den Einstellungen des Handys: Am iPhone unten rechts auf „Einstellungen“ tippen, bei Android oben rechts auf die drei Punkte und dann „Einstellungen“ (Menünamen weichen je nach Handy leicht ab).

  1. Unter Einstellungen, Datenschutz, Gruppen „Meine Kontakte“ wählen. Dann kommt von Fremden nur noch eine Einladung.
  2. Unter Datenschutz auch Profilbild, Info und „Zuletzt online“ auf „Meine Kontakte“ stellen, am besten ohne Gesicht im Profilbild.
  3. Unter Datenschutz, Anrufe „Anrufe von Unbekannt stummschalten“ einschalten.
  4. Unter Speicher und Daten den automatischen Download ausschalten, am iPhone zusätzlich unter Chats „In Fotos sichern“ aus.

Die Regel dazu: Die Nummer gehört nie in Kommentare, Kanäle oder Gruppen voller Fremder. Sobald der WhatsApp-Benutzername bei Ihnen freigeschaltet ist, gibt Ihr Kind neuen Bekannten lieber diesen Benutzernamen. Für Jüngere führt WhatsApp nach und nach von Eltern verwaltete Konten ein, für Jugendliche Elternkontrollen. Prüfen Sie, ob es bei Ihnen schon da ist.

Wenn die Nummer schon herumgeht:

  1. Bleiben Sie ruhig und drohen Sie nicht mit Handyentzug. Sonst erzählt Ihr Kind beim nächsten Mal nichts.
  2. Unbekannte Gruppen verlassen und melden: auf den Gruppennamen tippen, „Gruppe melden“, „Melden und verlassen“.
  3. Kommentare mit der Nummer löschen, schreibende Fremde blockieren.
  4. Nichts weiterleiten. Bei Belästigung oder Drohungen den Chat behalten, Bildschirmfotos mit Name, Nummer und Datum machen und zur Polizei gehen. Bei Nacktbildern von Kindern gilt das Gegenteil: kein Bildschirmfoto, nichts speichern, nichts weiterleiten, sofort zur Polizei.
  5. Schreiben Fremde weiter oder drohen sie, ist eine neue Nummer oft der sauberste Schnitt.

Und Snapchat, TikTok, Instagram? Unsere klare Empfehlung für Kinder bis 12: noch nicht. Die Anbieter selbst nennen 13 als Mindestalter, für die YouTube-App sind es in Deutschland 16, darunter nur über ein betreutes Konto. Snapchat-Mitgründer Evan Spiegel gibt seinen jüngeren Kindern kein Handy, die frühere YouTube-Chefin Susan Wojcicki ließ ihre Jüngeren nur die Kinder-App nutzen, mit Zeitlimit. Auch Bill Gates gab seinen Kindern erst mit 14 ein Handy. Ab 13 heißt dann nicht: allein los. Steigen Sie gemeinsam ein, mit privatem Konto und offen statt heimlich.

Und wenn Ihr Kind WhatsApp oder YouTube schon nutzt? Dann ist das kein Versäumnis, viele Familien haben sich bewusst so entschieden. Entscheidend ist, dass Sie davon wissen, die Einstellungen gemeinsam vornehmen (bei YouTube über das betreute Konto) und immer wieder darüber reden, was Ihr Kind dort erlebt. Ein Kind, das vorsichtig ist und weiß, dass es mit allem zu Ihnen kommen kann, ist besser geschützt als eines, das heimlich unterwegs ist.

Rat für Eltern: Elterntelefon 0800 111 0 550, werktags ab 9 Uhr, kostenlos.

Und falls du das als Kind liest: Deine Nummer gehört dir. Hast du sie schon gepostet, sag es deinen Eltern, du bekommst keinen Ärger. Oder ruf die Nummer gegen Kummer an: 116 111, montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr, kostenlos und anonym.